August Borsig
gründete 1837 eine Gießerei- und Maschinenbau-Anstalt vor dem Oranienburger Tor. Im Jahr 1840 baute er die erste deutsche Dampflokomotive die "Borsig 1", die sich erfolgreich gegen die bis dahin vorherrschenden englischen Maschinen durchsetzen konnte.
Ab 1843 produzierte Borsig als erstes Unternehmen in Deutschland Lokomotiven in Serie. Borsigs Maschinen waren besser und schneller als die der ausländischen Konkurrenz, die er fast vom deutschen Markt verdrängte. Borsigs Firma vergrößerte sich in dieser Zeit sehr schnell. 1847–1849 entstand in Moabit ein Eisenwalzwerk mit Kesselschmiede, 1850 wurde eine Eisengießerei hinzugekauft. Die drei Berliner Borsig-Werke beschäftigten 1.800 Mitarbeiter und waren damit einer der größten Industriebetriebe Berlins.
Mit der steigenden Auftragszahl wuchs auch der Erfolg Borsigs und er wurde der „Lokomotiven-König“ von Berlin. 1854 wurde bereits die 500. Lokomotive ausgeliefert. Am 6. Juli des Jahres, auf dem Höhepunkt seines Erfolges, verstarb er mit nur 50 Jahren. Die Arbeiter trauerten um den strengen, aber gerechten Unternehmer, der einen unbändigen Tatendrang besaß und der sie an seinem Erfolg teilhaben ließ. Das Unternehmen Borsigs wurde von seinen Söhnen und Enkeln weitergeführt. Um 1900 war die Firma Borsig in Europa der größte und weltweit der zweitgrößte Lokomotivenlieferant.
Ein neues Werk in Tegel
wurde 1898 eingeweiht, das sowohl zu Wasser als auch per Schiene zu erreichen war. Dort wurden Dampfmaschinen und Lokomotiven gefertigt, ebenso Kältemaschinen, Schiffsdampfmaschinen und Dampfpflüge. Ab 1900 zudem in großem Umfang schmalspurige Werkbahnlokomotiven und Straßenbahnlokomotiven.
Der Borsigturm
erbaut zwischen 1922 und 1924, gilt als erstes Hochhaus Berlins. Die Produktion auf dem Tegeler Borsig-Gelände erlebte zu Beginn der 1920iger Jahre einen kräftigen Aufschwung, was auch den Verwaltungsaufwand erheblich anwachsen ließ. Neue Büroräume mussten her, doch der Baugrund auf dem Gelände war knapp, da schien ein Bau in die Höhe nach dem Vorbild der amerikanischen Skyscraper eine ideale Lösung. So gaben Conrad und Ernst von Borsig bei dem Berliner Architektur-Professor Eugen Schmohl, der wenig später auch das Ullsteinhaus in Tempelhof entwarf, den Auftrag für die Planung eines Bürohauses, das erstmals die bisher erlaubte Höhe für Industriebauten von 5 Geschossen überragen sollte.
Mit baupolizeilicher Ausnahmegenehmigung erfolgte 1922 die Grundsteinlegung. Der 65 m hohe Turm entstand als Stahlskelettbau, die Fassaden wurden aus Backstein gemauert. Die Grundfläche beträgt 16 mal 20 Meter. Trotz inflationsbedingter Materialknappheit wurde das Gebäude 1924 fertig gestellt und beherbergte in den Etagen 1 – 9 Büros der Verwaltung. In der 10. und 11. Etage, der sternförmigen Turmspitze mit hohen Kathedralfenstern, war ganz praktisch ein Wassertank für die Versorgung des Werksgeländes eingebaut und die Hallen im Erdgeschoss beherbergten die Betriebsfeuerwehr. Schnell wurde das neue Bürohochhaus zum Wahrzeichen der Borsigwerke.
Im II. Weltkrieg wurden große Teile des Werksgeländes zerstört, auch die Innenräume des Turms wurden so schwer beschädigt, dass die Büros in andere Gebäude verlagert werden mussten. Die Fassade überstand jedoch die Bombennächte des Krieges.
Anfang der 1960iger Jahre wurden die Innenräume wieder ausgebaut und die technischen Abteilungen und die Verwaltung der Borsig-Werke kehrten in den Turm zurück. Und das blieb so, solange der Industriestandort, mit wechselnden Eigentümern und Firmierungen erhalten wurde. Zu Beginn der 1990iger Jahre wurden große Teile des Borsig-Werksgeländes aufgeben und verkauft. Auch der Borsigturm. Die 11 Etagen des inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Borsigturms wurden weiterhin, nun von verschiedenen Firmen, als Büroräume genutzt. Der Turm war jedoch öffentlich nicht zugänglich.
Für eine öffentliche Nutzung
wurden im Jahr 2009 drei Etagen des Turms - die zweigeschossige Turmspitze und der große Saal im Erdgeschoss- zu Veranstaltungsräumen umgebaut und zugelassen. Der neu entstandene Festsaal im Erdgeschoss des Borsigturms wurde am 26. April 2009 wurde unter Schirmherrschaft der damaligen Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf Marlies Wanjura auf den Namen “Meistersaal” getauft und die neue Location der Öffentlichkeit vorgestellt. Seither öffnet sich der Borsigturm mit kulturellen Veranstaltungen für seine Gäste und entwickelte sich zu einem echten „Geheimtipp“ als Location für Privat- und Firmenfeiern, Hochzeiten oder Konferenzen in einem außergewöhnlichen Rahmen.
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